Brügge sehen... und eben nicht sterben

Einige von Euch werden den Film noch kennen: Brügge sehen… und sterben? Ein Thriller ganz in der Tradition tragikomischer Gangsterfilme. Colin Farrel und Brendan Gleesen laufen als tapsige Profikiller zu Höchstform auf. Die belgische Stadt dient als sehenswerte Kulisse, in der wild rumgeballert wird und allerhand abstruse Aktionen mit ebenso skurrilen Figuren ablaufen. Ich kann Euch allerdings beruhigen: Brügge ist eher still und zurückhaltend, hat jedoch viel zu bieten. Historisch und zeitgenössisch.

Reist Ihr mit dem Zug an, lasst Euch nicht erschrecken. Der Bahnhof – genannt Brugge Central Station – und der Bahnhofsvorplatz gehören ganz sicher nicht zu den architektonischen Highlights. Linker Hand geht es über die Zufahrtsstraße, bis die ersten Gebäude auftauchen. Fehlen nur noch ein paar Meter und der historische Duft von Brügge lässt sich ab jetzt förmlich einatmen. Die Straße verengt sich, Puppenstubenhäuser ducken sich rechts und links entlang. Zuvor, gleich zu Beginn der Ostmeers, liegt ein erster Zwischenstopp im Restaurant Stoepa drin. Je nach Tageszeit gibt es Café und Kuchen oder gleich ein Bier, auch wenn das Belgische etwas gewöhnungsbedürftig ist. Das Ambiente übrigens auch, aber so what…

Das passende Hotel in Brügge

Genächtigt haben wir im Hotel Salvators, in unmittelbarer Nähe zum „Grote Markt“. Das Haus ist recht schnuckelig, der Frühstücksraum witzig eingerichtet, weil unterschiedliche Stilrichtungen zu einem exotischen Cocktail zusammen gemixt worden sind. Falls Ihr genau dieses Hotel in Brügge buchen wollt, fragt nach dem zweistöckigen Zimmer im Dachgeschoss.

Brügge und seine magischen Grachten

Die Einheimischen bezeichnen die Grachten als Reien. Diese apart entzückenden Wasserstraßen umkreisen den Kern von Brügge, der eine oder andere Arm schlängelt sich mutig in die Altstadt hinein. Kleine Ausflugsboote stehen bereit für einen abwechslungsreichen, knapp halbstündigen Trip. Unterwegs gibt es viel zu sehen: Der Blick fällt auf prachtvolle Fassaden und historische Bauten, die von einer glamourösen Vergangenheit erzählen. Auf Wikipedia wird Brügge als eine der Geburtsstätten des Frühkapitalismus bezeichnet. Passt unterwegs auf Eure Köpfe auf, einige der Brücken sind verdammt niedrig. Und klar wünschen wir Euch tolles Wetter, sonst fuchteln Eure Mitfahrer mit ihren Regenschirmen vor Eurer Nase herum.

Sehenswürdigkeiten in Brügge

Man will, aber schafft es nicht, alle Sehenswürdigkeiten in Brügge an einem Weekend abzuklappern. Macht nix, wir kommen wieder. Die zauberhafte Altstadt ist seit dem Mittelalter eine Art Dauerausstellung, ein Freilichtmuseum mit einem tollen Ambiente. In Kombination mit dem quirlig bunten Stadtleben ganz einfach zum Verlieben.

Kirchen gehören zum Standardprogramm, obwohl ich mich eher zu den Atheisten zähle. Erwähnenswert sind vor allem die Heilig-Blut-Basilika sowie die St. Salvatorkathedrale. Von praktisch überall aus ist zudem der Belfried zu sehen. Ein gotischer Glockenturm, wie er in Flandern häufig zum Stadtbild gehört. Zu diesen für die Gegend charakteristischen Bauten zählt auch der etwas außerhalb liegende Beginenhof. Eine idyllische Anlage mit niedlichen Wohnhäusern und einer kleiner Kapelle. Der Innenbereich ähnelt einer Parklandschaft.

Der bereits erwähnte Grote Markt ist ein Must See. Die ringsum laufenden Gebäude machen den Platz zu einem echten Architekturjuwel. Wenn ihr Bock und Zeit habt, gibt es genügend Cafés mit Terrasse zum Chillen. Genießt das bunte Treiben bei einer heißen Schokolade – mit oder ohne Sprit. Wie gesagt, gibt es noch viel mehr zu sehen. Was hier fehlt, haben wir eben nicht geschafft. Holt Ihr das nach.

Schokoladenhauptstadt Brügge – Süßes als Markenzeichen

Marzipan aus Brügge

Wer shoppen will, kommt nicht zu kurz. In Brügge gibt es so ziemlich alles, was das Herz im Allgemeinen und manchmal im Speziellen begehrt. Ein Markenzeichen der Stadt, eigentlich von ganz Belgien, sind die Süßigkeiten. Edle Pralinen, Schokolade, Marzipan in außergewöhnlicher Optik – in den um die 50 Chocolatieren vor Ort könnt Ihr Euch den Bauch vollschlagen und Eure Koffer mit Kalorienbomben füllen. Nicht umsonst wird Brügge häufig auch als Schokoladenhauptstadt bezeichnet. Haut rein. Das mehrstöckige Museum zum Thema nennt sich übrigens Choco-Story. Jede einzelne Gasse, jeder einzelne Platz eröffnet in Brügge neue Perspektiven, wenn Ihr die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Altstadt zu Fuß erobert. Flanieren in Flandern lautet die Devise.

Und zu guter Letzt: Zeebrugge an der Nordsee

Wie mit dem Lineal gezogen, führt die Bahnstrecke über circa 15 Kilometer von Brügge direkt zum Hafen an der Nordsee, bekannt als Zeebrugge. Er zählt zu den modernsten und größten in Europa. Vis-à-vis liegt der breite Strand. Der Wind peitscht uns an diesem Tag feine Sandkörner gegen die Klamotten und ins Gesicht. Die Surfer und Wassersportler scheinen das recht cool zu finden, sie toben sich temperamentvoll auf den Wellen aus, während wir die Augen zu kleinen Schlitzen zusammenkneifen. Die Krantürme erheben sich hinter den flachen Dünengräsern und symbolisieren eine zwiespältige Industrieromantik. Insgesamt ein optisch interessantes Kontrastprogramm zum Abschluss unserer Städtereise nach Brügge.

Weitere empfehlenswerte Links für Brügge-Reisende

Aktualisiert am 01.03.16: Von einer richtig süßen Seite wird Brügge bei Klitzeklein präsentiert, frei nach dem Motto Cupcakes & Kirschbier. Inklusive tollen Bildern. Und noch eine Leseempfehlung: Auch die Trackqueen will Brügge sehen und sterben. Aber höchstens für die zuckersüßen Pralinen und belgischen Gerstensaft.

Bildnachweis:

Alle Bilder: © Andreas Schneider

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