Mount Everest im Himalaja

Tom Tailor ist bei uns verantwortlich für die Interviewreihe Weltenbummler und Weltansichten. Er hat sich wochenlang auf das erste Gespräch mit Yeti gefreut, der sich völlig überraschend für ein Telefoninterview bereit erklärt hat. Endlich erfährt die Welt die Wahrheit.

Tom Tailor: Lieber Yeti, gibt es Sie wirklich oder sind Sie doch nur ein Fabelwesen?

Yeti: Wie könnte ich Ihnen antworten, wenn es mich nicht gäbe? Eigentlich gibt es mich seit dem Moment, als mich die Sherpa im Himalaja in Ihren Gedanken erfunden haben. Ich bin als Schneemensch ihr unsichtbarer Begleiter, ich bin die Erklärung für alles unerklärliche. Das ist doch der Sinn eines Fabelwesens, oder nicht?

Tom Tailor: Das stimmt wohl. Und wo überall in der Weltgeschichte treiben Sie sich herum?

Yeti: Ich treibe mich nicht herum, ich schaue nach dem Rechten. Meine Heimat ist der Himalaja und wird es immer bleiben. In manchen Ländern nennt man mich Bigfoot. Ein alberner Name, was soll ich dort? Und wo ich nicht Bigfoot heiße, bin ich scheinbar Vegetarier. Auch nicht besser. Ich ernähre mich ausschließlich von Gedanken und Gefühlen. Ein nachwachsender Rohstoff, wie ihr komischen Menschen wohl sagen würdet.

Phantomzeichnung Yeti - sieht er wirklich so aus

Phantomzeichnung Yeti – sieht er wirklich so aus

Tom Tailor: Und warum sind ausgerechnet wir Menschen jetzt auf einmal komisch?

Yeti: Schaut Euch doch mal an, Ihr tragt komische Klamotten, euch wächst kein Fell mehr und Ihr gebt seltsame Geräusche aus allerlei Maschinen von Euch. Aber was noch viel komischer ist: ab und an tauchen Gestalten auf, die mich unbedingt finden wollen. Sie bringen Ferngläser mit, automatische Kameras und Bewegungsmelder und ich – ich sitze direkt neben ihnen. Sie müssen nur an mich glauben, dann sehen sie mich. Darf ich noch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern?

Tom Tailor: Aber gerne, wenn wir schon das Vergnügen haben, mit Ihnen zu sprechen. Ist ja nicht ganz alltäglich.

Yeti: Danke. Vor ein paar Jahrzehnten beobachtete ich einen von Euch. Er hat eine Fußschablone aus Holz geschnitzt und in den Schnee gedrückt. Das sollten meine Fußspuren sein… haha. Und mein Pelz stammt von einer Antilope ab. Quatsch. Noch besser waren die beiden, die einen Eurer Artgenossen mit Affenkostüm durchs Bild marschieren ließen. Sagen Sie mir also nicht, dass ihr Menschen nicht seltsame Dinge treibt.

Tom Tailor: Apropos, wo wir beim Thema komisch sind, hatten Sie schon einmal eine Begegnung mit Reinhold Messner?

Yeti (mit erstauntem Klang in der Stimme): Die Frage ist jetzt nicht ernst gemein, oder? Den Reinhold Messner gibt es doch nicht. Auf Phantombildern scheint es allerdings, dass Ihr Menschen früher noch einen Pelzwuchs hattet. Ich habe ihn jedenfalls noch nie gesehen. Gibt es ernst zu nehmende Beweise? Spuren im Schnee von Fußschablonen vielleicht? Oder verwackelte Aufnahmen im Schneegestöber?

Tom Tailor: Vielleicht fehlt Ihnen der Glaube an Messmer?

Yeti (denkt kurz nach): Kann sein, aber viele von Euch glauben ja auch nicht an mich. Dabei kann der Glaube Berge versetzen, wenn auch nicht gleich meinen Himalaja. Der Glaube an Euch selbst. Ich bin die spirituelle Kraft dahinter. Um Ihnen das näher zu erläutern, müsste ich ins Wasser der Quantenmechanik springen.Dann wäre Messner vielleicht möglich. Soll ich?

Tom Tailor: Beim nächsten Mal gerne, mein Akku wird sich gleich verabschieden. Daher noch eine schnelle Schlussfrage: Wo würden Sie gerne einmal hinreisen?

Yeti: Selbstverständlich nach Shangwerlewfalksdjufsoiüf….

Tom Tailor bedauert sehr, dass er die letzten Worte des Yeti nicht mehr genau verstehen konnte. Er vermutet, es könne sich um Shangri-La handeln. Seither fragt er sich, ob Yeti den Roman „Der verlorene Horizont“ von James Hilton in seinem versteckten Schneeregal stehen hat.

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