Wissembourg-Frankfreich-Elsass-alte-Stadtmauer

Endlich wieder in Frankfeich, genauer gesagt in Wissembourg, einer wunderbaren Stadt, die tief im Norden des Elsass nahe der deutschen Grenze liegt. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Weißenburg. Im Gegensatz zu früher sind Schlagbäume passé, keine Grenzbeamte weit und breit. Lediglich ein Hinweisschild mit den EU-Sternen auf blauem Untergrund deutet darauf hin, das wir das Land wechseln. Ich persönlich freue mich auf einen historischen Ort mit pittoresken Sehenswürdigkeiten innerhalb des Stadtkerns. Architektonische Highlights stehen an der Lauter entlang Spalier. Der Spaziergang durch Wissembourg fühlt sich wie eine Zeitreise an. Das Wetter ist auf unserer Seite: Die Sonne gönnt uns kurze Wolkenpausen, sodass die Temperaturen abgesehen von einzelnen Spitzen in einem angenehmen Rahmen bleiben. Perfekte Voraussetzungen für einen Stadtbummel.

Kleiner Zwischenstopp am Deutschen Weintor kurz vor Wissembourg

An dieser Stelle ein kleiner Vorab-Tipp: Reist Ihr mit dem Auto über die Bundesstraße 38 an, gerät in Schweigen-Rechtenbach in der Südpfalz das Deutsche Weintor ins Blickfeld. Es markiert den südlichen Beginn der Deutschen Weinstraße, die sich insgesamt über 85 km in Richtung Nordosten zieht. Den Endpunkt bildet das Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim. Zum Deutschen Weintor findet Ihr in unserem Location-Verzeichnis weitere Informationen. Nun aber zurück nach Wissembourg bzw. Weißenburg. Allez allez.

Selfiestick Premiere in Wissembourg

Wissembourg - Frankfreich Elsass - Selfie Stick Premiere
Wissembourg - Frankfreich Elsass - Selfie Stick Premiere

Als Startpunkt dient ein großer Parkplatz, der selbst an diesem Montag gut belegt ist. Es gibt jedoch genug Parklücken für den Bulli T4. Gleichzeitig steht hier das Tourist-Office von Wissembourg, sofern Ihr Infos benötigt oder eine Guided Tour machen möchtet. Lohnt sich mit Sicherheit und wird gerne angenommen. Uns begegnen immer wieder traubenförmig zusammenstehende Touristen, die gebannt den Erzählungen ihrer Guides lauschen. Ebenfalls eine Alternative ist das Grenzland-Bähnchen, das einerseits die Wissembourg Altstadt durchquert und andererseits eine reizvolle Strecke bis zum oben bereits erwähnten Weintor abfährt.

In Wissembourg feiere ich Selfiestick-Premiere. Leser unseres Blogs meinen, ein paar mehr Bilder von mir als Autor könnten nicht schaden, um diesem eine persönlichere Note zu verleihen. Gerne sage ich da nur, zumal sich tolle Motive als Kulisse dafür anbieten. Überhaupt weiß sich der kleine Ort wunderbar zu präsentieren. Gärtner sorgen entlang der Lauter für fröhlich bunte Farbtupfer, Gäste und Einheimische genießen diesen tollen Anblick gleichermaßen.

Wissembourg - Frankfreich Elsass - parkähnliche Anlage entlang der Lauter
Wissembourg - Frankfreich Elsass - Blumenpracht entlang der Lauter

Die Kirche St. Peter und Paul in Wissembourg im Visier

Wissembourg - Frankfreich Elsass - die Kirche St. Peter und Paul
Wissembourg - Frankfreich Elsass - die Kirche St. Peter und Paul

Zunächst schlendern wir an der Rue Nationale entlang, die später in die Rue Marché du Poisson mündet, um uns dem Ortskern von Wissembourg zu nähern. Im Hintergrund, perfekt inszeniert in der schmalen Straßenschlucht, erhebt sich die Kirche St. Peter und Paul. Sie ist vorwiegend im gotischen Stil erbaut. Der romanische Glockenturm (auf dem Bild nicht zu sehen) stammt aus dem 11., der Rest der sehenswerten Kirche aus dem 13. Jahrhundert. An der nördlichen Seite der Kirche St. Peter und Paul befindet sich ein Kreuzgang mit Grabsteinen bedeutender Äbte. Es handelt sich um die zweitgrößte Kirche im Elsass nach der Kathedrale von Straßburg. Respekt.

Was mir persönlich in der Straße sehr gefällt, sind die kleinen Läden, die den Weg säumen. Hier eine niedliche Fromagerie, da eine Patisserie mit schön gestaltetem Schaufenster . Zwischendrin immer wieder Straßencafés, die gut besucht sind. Und damit die Klischees am Leben bleiben, liegen auf den Bistrotischen wie selbstverständlich Baguettes herum. Bon Appetit, Klischees sind da, um sie zu pflegen.

Wissembourg - Frankfreich Elsass - Schaufenster einer Fromagerie
Wissembourg - Frankfreich Elsass - Schaufenster einer Fromagerie
Wissembourg - Frankfreich Elsass - Schaufenster einer Pattiserie
Wissembourg - Frankfreich Elsass - Schaufenster einer Pattiserie

Leise genießend an der Lauter entlang durch Wissembourg

Wissembourg in Frankreich im Elsass - das Salzhaus Maison du Sel mit Blick über die Lauter

Das Maison du Sel in Wissembourg

Was nach einem ausgiebigen Stadtbummel klingt, entpuppt sich als aus sportlicher Sicht harmloser, dafür umso unterhaltsamerer Spaziergang. In Wissembourg mit seinen ca. 8.000 Einwohnern liegt alles dicht beieinander, man fühlt sich wie in einem Freilichtmuseum. Also geht es leise genießend weiter an der Lauter entlang des Quai Anselmann in nordöstlicher Richtung. Zuvor haben wir einen Moment innegehalten vor dem Maison du Sel (Salzhaus) mit dem seltsam geschwungenen Dach. Zunächst wurde es als Krankenhaus erbaut und später in einen Salzspeicher umgewandelt. In dem Gebäude befindet sich heute ein Museum. Ein weiteres interessantes Gebäude, das uns in Wissembourg am Uferrand der Lauter begegnet, ist das Maison Vogelsberger. Es besticht optisch durch die Renaissance-Fassade und dem von Hand gemalten Wappen über dem Eingangsportal. Die Infotafel weist auf das tragische Ende des Bauherren Sebastian Vogelsberger hin. Der ehemalige Schulmeister und Landsknechtführer wurde von Karl V. des Hochverrats bezichtigt und zum Tode verurteilt. Zur Vollstreckung kam es 1548 in Augsburg. Und sofern ich die zweite Infotafel richtig verstehe, befindet sich in der 2. Etage eine Ausstellung, die sich mit dem frühen Leben des französischen Forschers Charles de Foucauld beschäftigt. Laut Wikipedia war er zudem Offizier, Priester, Mönch und Eremit.

Wissembourg in Frankreich im Elsass - das Maison Vogelsberger mit Renaissance-Fassade und handgemaltem Wappen
Wissembourg in Frankreich im Elsass - das Maison Vogelsberger mit Renaissance-Fassade und handgemaltem Wappen

Vom Verschwinden der Dinge in Wissembourg

Der Weg führt uns weiter zum Quai 24 Novembre. Eher intuitiv biegen wir rechts ab in die Rue St. Etienne, wobei uns die leicht ansteigende Parkanlage neugierig gemacht hat. Selbstverständlich möchte man einen Blick über die Dächer von Wissembourg werfen. Der fiel deutlich weniger spektakulär aus als erwartet, dafür ist mir ein wunderbar grünes Hinterhofensemble in Erinnerung geblieben. So wild es aussieht darf es bleiben, abgesehen von der fehlenden Hollywoodschaukel im Retrostyle, gerne mit angerostetem Metallgestänge. Es braucht keine überteuerten Garten-Lounges aus was weiß ich für tollen Materialien. Und bei Dunkelheit schaltet sich eine herrlich kitschige Lichterkette ein. Gäste bringen Klapphocker mit – sie wissen ja, wen sie besuchen. Ihr könnt mir gerne die gärtnerischen Leviten lesen im Kommentarbereich.

Wissembourg - Frankreich Elsass - knallig grüne Hinterhofidylle
Wissembourg - Frankreich Elsass - knallig grüne Hinterhofidylle

Vergeblich bleibt die Suche nach dem Pfisterturm. Der einstige Wachturm zwischen dem Vorort Bruch und Wissembourg wurde 1807 zerstört. Er erzählt wie an vielen anderen Orten die Geschichte vom Verschwinden der Dinge. In diesem Zusammenhang fallen mir die Worte des französischen Malers Paul Cézanne ein: „Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet.“ Wir waren knapp 210 Jahre zu spät dran in Wissembourg. (Shit) happens.

Der Spaziergang durch die Parkanlage führt uns an weiteren Anlaufpunkten vorbei, dazu zählt das Port de St. Etienne. Abgesehen von der darauf hinweisenden Infotafel ist auch hier nicht mehr viel übrig. Diese Etappen sind offizieller Bestandteil des Rundgangs über die Stadtmauer von Wissembourg. Sie kreuzt sich mit der Umrandungsmauer des ehemaligen Benediktiner-Klosters, zu dem die bereits erwähnte Kirche St. Peter und Paul gehört. Die französische Bezeichnung Porte et Enceinte de l’Abbaye weist auf das Tor in den Klosterbereich hin, gut erkennbar auf dem nächsten Bild inklusive der benachbarten Klostermühle.

Wissembourg - Frankreich Elsass - Umrandungsmauer und Mühle des einstigen Benediktiner Klosters
Wissembourg - Frankreich Elsass - Umrandungsmauer und Mühle des einstigen Benediktiner Klosters

Mäandern durch Wissembourg

In Wissembourg gibt es kein Pflichtprogramm, hier ist alles Kür. Kleiner Ort, großes Kino. Nichts Neues für Euch wird es sein, dass zu einem Ausflug eine Liste mit To-dos empfehlenswert ist. Wir haben unsere abgeklappert und lassen uns ab hier einfach treiben. Der Weg ist das Ziel. Ein wenig mäandern, wie es Flüsse gerne in wilder Landschaft zelebrieren. Das Auge ist der Wegweiser. Auf diese Art entdecken wir hier einen schönen Hauseingang, dort ein alte Kutsche und die eine oder andere Postkartenidylle. Es macht Freude und entspannt. Kein Zeitdruck, keine Termine. Loslassen ist angesagt. Bleibt mir nur noch, im Anschluss an die letzten Bilder die Story von Hans Trapp zu erzählen.

Wissembourg - Frankreich Elsass - Postkartenidylle an der Lauter
Wissembourg - Frankreich Elsass - Postkartenidylle an der Lauter
Wissembourg - Frankreich Elsass - Eingang mit viel Patina
Wissembourg - Frankreich Elsass - Eingang mit viel Patina
Wissembourg - Frankreich Elsass - Idylle mit alter Kutsche
Wissembourg - Frankreich Elsass - Idylle mit alter Kutsche

Historie: Weshalb die Lauter einst ziemlich laut wurde

Die Geschichte handelt von dem Ritter (eigentlich Raubritter) Hans von Trotha (Mitte 15. Jahrhundert bis 1503) und Abt Heinrich, der zu seiner Zeit dem Benediktinerkloster Weißenburg vorstand. Im Zuge einer langjährigen Fehde staute Hans von Trotha die Lauter auf, um Wissembourg im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abzugraben. Bei Bobenthal entstand ein kleiner Stausee genau zwischen der Pfälzer und Elsässer Grenze an einer Engstelle. Nach Beschwerden des Abts, wurde der Damm eingerissen. Es bildete sich eine beträchtliche Flutwelle entlang der Lauter, die Wissembourg ohne Vorwarnung überflutete. Der Schaden muss immens gewesen sein.

Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte erlangte der keineswegs friedliebende Raubritter den zweifelhaften Ruhm eines Kinderschrecks. Ist die Rede von Hans Trapp, dann ahnt es der Nachwuchs: Gefahr ist im Verzug. Anhand von Überlieferungen weiß man zudem, dass sich Hans Trapp mit knapp 2 Metern Körpergröße furchteinflößend vor einem aufbauen konnte. Sein Domizil war die Burg Berwartstein in Sichtweite oberhalb von Wissembourg. Die Ereignisse rund um die Wasserfehde sind im öffentlich zugänglichen Rittersaal abgebildet. Die Räume werden heute als historisches Restaurant genutzt.

Author: Andreas Schneider

Mitbegründer der Local Players. Er betrachtet das Portal als Medizin gegen das stets präsente Reisefieber. Seit mehr als 30 Jahren schreibt und werbetextet er für namhafte Unternehmen, kleine Einzelhändler und Startups. Bei Bedarf gerne auch für Sie. Mehr Infos gibt es auf seiner Homepage screentext.de

1 Comment
  1. […] Frankreich und Luxemburg konzentriert. Zurück am Parkplatz beschließe ich, den Tag in Wissembourg mit einem Flammkuchen zu beenden und packe mein Equipment in den […]

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