Städtisches Lapidarium Stuttgart - Der Eingang

Das städtische Lapidarium in Stuttgart: Durch die Geschichte wandeln

Das Lapidarium in Stuttgart ist ein echtes Kleinod mit einem morbide angehauchten Charme. Kein Wunder, der kleine Park beherbergt stadtgeschichtliche Architektur-Exponate, die zum Teil um die 5 Jahrhunderte bewegter Historie hinter sich haben – überlebt als Fragmente, die eine eigene Geschichte erzählen. Die komplette Open-Air-Ausstellung ist angereichert mit italienisch antikem Flair. Dazu später mehr. Geöffnet ist das Lapidarium in Stuttgart von Anfang Mai bis Mitte September – unter der Woche (Mittwoch bis Samstag) von 14 Uhr bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertags von 11 Uhr bis 18 Uhr.

Geduckt im Schatten der Karlshöhe

Das Lapidarium – das neue – liegt geduckt in leichter Schräglage am Fuß der grün glitzernden Karlshöhe. Der Eingang wirkt äußerst schüchtern, von der Mörikestraße aus kaum erkennbar. Ein paar Schritte zwischen den Gebäuden gemacht, führt eine kleine Treppe mitten rein in das architektonische Geschichtsbuch aus Stein. Vielleicht stehen an anderen Tagen aufklappbare Hinweistafeln da, am heutigen Tag nicht. Schade für ortsunkundige Besucher. Am Eingangsschild mit dem gestauchten Schriftzug nagt der Rost, ein bärtiger Herr aus Stein schaut auf die ankommenden Besucher herab. Eine freundliche Neugier schwingt in seinem Blick mit – zumindest gefühlt. In der Inventarliste wird er als „Gratulator“ geführt. Erste Impressionen, die vielversprechend sind.

Die Zeit vor dem neuen Lapidarium in Stuttgart

Interessant sind im Vorfeld mit Sicherheit Informationen darüber, wie das Kleinod entstanden ist: Wie in vielen anderen Städten auch, wurde und wird in Stuttgart massiv gebaut. Zum Ende des 18. Jahrhunderts etwa wurde die Innenstadt nahezu komplett umgekrempelt. Rund 50 Gebäude mussten dem Rathausneubau weichen. Wenige Jahre später wurden im Zuge von Verschönerungsmaßnahmen weitere knapp 90 Häuser abgerissen oder saniert. Architektonisch bedeutende Bauteile wurden gesammelt und im Kreuzgang der evangelischen Hospitalkirche in der Büchsenstraße aufbewahrt, die 1944 nahezu komplett zerstört wurde. Es ist im Wesentlichen dem damaligen Oberbürgermeister Arnulf Klett sowie dem Journalisten und Stadthistoriker Gustav Wais zu verdanken, dass das Lapidarium in Stuttgart in seiner heutigen Form existiert.

Das Lapidarium in Stuttgart - Entree-Bereich

1947 begannen der Denkmalpfleger Wilhelm Speidel und Gustav Wais mit der Trümmerbeseitigung in Stuttgart. Dabei wurden wertvolle Fragmente gesammelt und – so weit möglich – katalogisiert. Es entstand eine Liste mit über 1.000 erhaltenswerten Exponaten. In diesem Zusammenhang darf der Hinweis auf den Birkenkopf nicht fehlen, von den Stuttgartern gerne als Monte Scherbelino bezeichnet. Ein Schuttberg am westlichen Stadtrand. Der Weg zum Gipfel ist kreisförmig angelegt. Auf dem Plateau türmen sich Baureste ganz im Stil eines Lapidariums. Der Spaziergang lohnt sich zudem wegen der tollen Aussicht auf Stuttgart.

Auf dem Weg in die Gegenwart

Das Lapidarium in Stuttgart - Wandelgang mit Skulpturen aus der römischen Antike
Das Lapidarium in Stuttgart – Wandelgang mit Skulpturen aus der römischen Antike

Im Jahr 1950 erwarb die Stadt Stuttgart die Villa Ostertag-Siegle in der Mörikestraße 24 inklusive dem Park, der heute das Lapidarium beherbergt. Carl von Ostertag-Siegle ließ den Terrassengarten nach italienischen Vorbildern der Renaissance anlegen. Ihm ist die Sammlung antik-römischer Exponate zu verdanken, die Ihr im Wandelgang direkt nach dem Eingang zu sehen bekommt. Mitte 1950 wurde das städtische Lapidarium Stuttgart eröffnet und Besuchern zugänglich gemacht.

1961 verstarb Gustav Wais, der bis dahin das Parkmuseum als wichtiger Fürsprecher geleitet hatte. Danach geriet das Lapidarium Stuttgart in Vergessenheit. Im Laufe von 3 Jahrzehnten eroberte sich die Natur das Terrain zurück. Der Park verwilderte und gelangt erst Anfang 1980 zurück in den Fokus der Stadt. Es wurden zum Glück umfangreiche Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Ein engagierter Freundeskreis sorgt aktuell für die Erhaltung des Kleinods und dafür, dass der Park während der wärmeren Jahreszeit für Besucher offen steht. An dieser Stelle mein persönlicher Dank an alle Helferinnen und Helfer, die sich für dieses schöne und wichtige Projekt engagieren, zumal der Eintritt frei ist. Vielleicht spendet Ihr eine Kleinigkeit, wenn Ihr vorbei schaut.

 

 

 

Ein Bilderrundgang durch das Lapidarium in Stuttgart

Das Lapidarium in Stuttgart - Wandelgang mit Sitzgelegenheiten
Das Lapidarium in Stuttgart – Wandelgang mit Sitzgelegenheiten

Es war eine Freude, durch das Lapidarium in Stuttgart zu laufen. Eine vitale Oase – gerade im Begriff, sich ins schönste Grün zu werfen. Wie sagte einst der bekannte schwäbische Schriftsteller Hermann Lenz:

Mich zieht dieser abgeschiedene Garten mit seinen Steintrümmern wie kein anderes Museum in die Vergangenheit zurück, wahrscheinlich, weil das Ewige (denn Gras, Baum, Büsche und rieselndes Wasser werden uns alle überleben) dicht neben dem Vergänglichen steht. Und während du weitergehst, dich niedersetzt neben Standbildern, an die Blätter rühren, ist es als ob du dir selbst begegnest.

Das Lapidarium Stuttgart wäre der ideale Ort, um sich mit dem biografisch orientierten Werk des Autors auseinander zu setzen. Besonders erwähnenswert sind die Romane, in denen Eugen Rapp als „Alter Ego“ die Hauptrolle spielt. Insgesamt sind von 1966 bis 1997 neun Werke entstanden. Auch eine brillante Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Vergangenheit. Sie tragen Titel wie etwa „Verlassene Zimmer“, „Seltsamer Abschied“ oder „Freunde“ – der letzte Band aus der Reihe. Viele seiner Bücher findet Ihr bei Interesse auf Amazon.de.

Nachfolgend habe ich einige Impressionen für Euch online gestellt. Die Sammlung – wie bereits erwähnt – besteht aus 2 Teilen mit jeweils um die 200 Ausstellungsstücken. Der eine Teil spiegelt mehr als 500 Jahre Stuttgarter Stadtgeschichte wider, der andere befasst sich mit der römischen Antike. Diese wurde von Carl von Ostertag-Siegle während seiner Italienaufenthalte zusammengetragen. Eine interessante, sich gegenseitig bereichernde Kombination – schwäbische Rechtschaffenheit und italienische Lebenskultur treffen aufeinander. Lobenswert ist, dass an jedem Exponat eine Tafel über die Herkunft und die Entstehungszeit informiert. Genießt Euren Aufenthalt. Und nehmt die Karlshöhe mit dem tollen Biergarten mit, zumal Ihr den berühmten Stuttgarter Kessel von oben überblicken könnt.

Author: Andreas Schneider

Mitbegründer der Local Players. Er betrachtet das Portal als Medizin gegen das stets präsente Reisefieber. Seit mehr als 30 Jahren schreibt und werbetextet er für namhafte Unternehmen, kleine Einzelhändler und Startups. Bei Bedarf gerne auch für Sie. Mehr Infos gibt es auf seiner Homepage screentext.de

2 Kommentare zu „Das städtische Lapidarium in Stuttgart: Durch die Geschichte wandeln“

  1. Pingback: Die Karlshöhe in Stuttgart, Jason Robards und ich - oder so - localplayers

  2. Pingback: Stuttgart von oben: das Tal der tausend Blicke

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