Kloster Hirsau Calv - mit dem ehemaligen Jagdschloss im Hintergrund

Direkt oberhalb, nur wenige Gehminuten entfernt von der sommerlich ruhig dahinfließenden Nagold, liegt das beeindruckende Kloster Hirsau. Von außen kaum erkennbar, eröffnet sich ein weitläufiges Areal, das seine mehr als 900 Jahre alte Historie stolz und erhaben zur Schau stellt. Genau genommen wird das Kloster Hirsau geschichtlich unter dem Namen Benediktinerkloster St. Peter und Paul gelistet. Mit dem Betreten des Geländes steigen Vorfreude und Neugier. Ein kurzer Blick in das Kameraokular bestätigt auf beruhigende Weise: der Akku meiner Lumix steht voll im Saft. Alles aufnahmebereit bis hin zu den verwinkelten Synapsen im eigenen Denkapparat.

Das Kloster Hirsau: Beeindruckendes Ensemble

Kloster Hirsau - unterer Eingang mit Fachwerkhaus

Das Kloster Hirsau und die Gebeine Aurelius von Riditios

Kloster Hirsau - erste Impressionen

Kloster Hirsau – erste Impressionen

Der erste Vorläufer der Klosteranlage in Hirsau wurde vermutlich Mitte des 7. Jahrhunderts erbaut. Namentlich als Nazarius I dokumentiert. Er befindet sich deutlich näher an der Nagold auf der gegenüberliegenden Uferseite als das heutige Kloster Hirsau. Erklärbar durch Berichte von häufigen Überschwemmungen, die am jetzigen Standort kaum möglich sind. Über die Bauweise von Nazarius I ist nichts bekannt.

Um das Jahr 830 herum wurden die Gebeine des Heiligen Aurelius von Riditio aus Mailand nach Calw überführt. Im christlichen Glauben ist die Rede von Reliquien, zu denen beispielsweise auch Kleidungsstück und Gegenstände zählen, die von den Heiligen getragen oder berührt worden sein sollen. Ihnen wird eine wunderheilerische Wirkung zugeschrieben. Im Jahr 1546 prangerte der Reformator Martin Luther die Auswüchse des Reliqienkrams in Halle an. Jedenfalls entstand zuvor die Saalkirche St. Aurelius I unterhalb des Geländes Kloster Hirsau. Innerhalb weniger Jahrzehnte zerfiel die Kirche nahezu komplett.

1049 war es der deutschstämmige Papst Leo IX., der nach den Gebeinen des Heiligen suchen ließ und anordnete, das Kloster Aurelius II zu errichten. In diesem Zusammenhang gelangt Ihr per Zeitsprung in die Gegenwart. Zu sehen ist der Bau bis heute vis-à-vis zum Forstmeisterhof.

Hirsau und das Benediktinerkloster St. Peter und Paul

Im 11. und 12. Jahrhundert zählte das Kloster Hirsau zu den bedeutendsten Anlaufstellen im Zusammenhang mit der Reformbewegung, die in der Abtei Cluny im Burgund ihren Anfang nahm, seit 2015 Bestandteil der Region Bourgogne-Franche-Comté. Im Jahr 1082 begannen die Aufbauarbeiten der Kirche St. Peter und Paul im Stil einer Säulenbasilika. In einem kreuzförmigen Grundriss angelegt, ergänzt durch die Choranlage, dem Hauptaltar und 7 flankierenden Seitenaltären. An der Westseite standen zwei mächtige Türme, von denen einer erhalten geblieben ist.

Kloster Hirsau - Grundmauern der ehemaligen Kirche St. Peter und Paul
Kloster Hirsau Calw - Brunnen mit Westturm der ehemaligen Kirche im Hintergrund
Kloster Hirsau Calw - Ruine des ehemaligen Jagdschlosses

Kloster Hirsau Calw – Ruine des ehemaligen Jagdschlosses

Die Einweihung erfolgte 1091, jedoch wurde auf dem Plateauareal weit bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts gearbeitet. Es folgte eine wechselhafte Geschichte: unter anderem wurde der Konvent aufgelöst und in ein evangelisches Kloster verwandelt.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erweiterten die Herzöge von Württemberg die Anlage um ein Jagdschloss im Renaissancestil. Das Schicksal des Klosters Hirsau in der damaligen Form wurde durch den pfälzischen Erbkrieg besiegelt. 1692 gingen Kirche und Schloss während einer Belagerung durch französische Truppen in Flammen auf. Ein ähnliches Schicksal musste die Burg Zavelstein im Kreis Bad-Teinach erdulden.

Um Calw wieder aufzubauen, wurde das Mauerwerk der beiden Bauten im Kloster Hirsau Zug um Zug abgetragen. Zum Glück für die Nachwelt blieben Fassadenreste stehen, die einen guten Eindruck von der Größe der Gesamtanlage vermitteln. Zahlreiche Infotafeln unterstützen Euch dabei, Fehlendes imaginär zu ergänzen und zuzuordnen. Aus dem Ensemble übrig geblieben ist die Marienkapelle.

Die auf dem Areal verteilten Fachwerkbauten sind im Wesentlichen intakt. Sie werden entweder bewohnt oder von Abteilungen der Gemeindeverwaltung Calw wie etwa dem Finanzamt genutzt. Zudem bietet sich das Cafe im Kloster für eine Pause an.

Kloster Hirsau Calw - Fachwerkhaus mit öffentlichem WC

Neues Leben in alten Gemäuern

Mit der 900. Jahresfeier in 1959 erwachte das Kloster Hirsau zu neuem Leben. Zu den Festlichkeiten wurde im ehemaligen Kreuzgang der St. Peter und Paul Kirche eine Bühne aufgestellt, um ganz und gar weltliche Veranstaltungen durchzuführen. Die Happenings sind bekannt unter dem Calwer Klostersommer in Hirsau. Im Sommer 2016 gibt sich der Rockbarde Udo Lindenberg die Ehre, um das 10-jährige Jubiläum seiner Udo Lindenberg – Hermann Hesse Stiftung zu feiern. Ebenso schauen Konstantin Wecker und die Spider Murphy Gang vorbei.

Kloster Hirsau Calw -Bestuhlung im ehemaligen Kreuzgang

Mehr zu den Veranstaltungen – in 2016 zum Großteil ausverkauft – erfahrt Ihr hier. Vielleicht klappt es nächstes Jahr. Das Kloster Hirsau ist auch ohne Konzerte eine Reise wert, zumal es in der näheren Umgebung zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten zu bewundern gibt.

Zum Schluss eine Bildergalerie mit weiteren Impressionen, die hoffentlich Lust auf mehr macht. Viel Spaß Euch, wo auch immer Ihr gerade seid.

Bildnachweis: ©Andreas Schneider

1 Comment
  1. […] seiner hügeligen Landschaft immer deutlicher an. Vorbei geht es zum Beispiel an Hirsau mit seiner bedeutenden Klosterruine entlang kleinerer und größerer Täler. Zudem ist der Verkehr an Wochenenden überschaubar auf […]

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