Eigentlich ein Must-Do für alle Fans edler Oldtimer: Das faszinierende Treffen Retro Classics meets Barock 2016. Viel Blech, noch mehr Chrom und schwungvolle Kurven hinterlassen einen tollen Eindruck. Schauplatz war im Gegensatz zum Blühenden Barock der Vorjahre, der Innenhof im Residenzschloss Ludwigsburg. Ein adäquater Rahmen, passend zu dem feinen Event, der vom 16. bis 18. Juni stattfand. Im Schwabenland dürfte der Begriff „Heiligs Blechle“ in diesen Tagen mit Sicherheit öfters zu hören gewesen sein. Zur Eröffnung am Freitag gab es eine illuminierte Barockfassade, dazu zeigten Feuerkünstler, was sie drauf haben. Ein schönes Spektakel.

Retro Classics meets barock - Feuerkreis - Small

Die Retro Classics meets Barock und der Concours d’Élégance

Der Concours d’Élégance ist das, was bei der Modeschau als Catwalk bezeichnet wird: eine Schaubühne für edle Oldtimer und ihre stolzen Besitzer. Gehört man zu diesem Kreis, fühlen sich die Veranstaltungen wie ein großes Familientreffen an. Jedenfalls entsteht der Eindruck, wenn sich alle per Handschlag begrüßen und sofort in eine Welt der Pferdestärken, der historischen Anekdoten und sagenumwobenen Firmengründer eintauchen. Wir als Besucher betrachten die wunderschönen Fahrzeuge und lassen uns von den bezaubernden Kühlerfiguren sowie charakterstarken Markenemblemen betören.

Seit 2004 wird der Retro Classics meets Barock Concours in Ludwigsburg durch die Fédération Internationale des Véhicules Anciens in der sogenannten A-Klasse gelistet. Die FIVA ist der Weltverband für alle Oldtimer-Clubs, er reiht Ludwigsburg in die höchste zu vergebene Kategorie ein. Eine Art automobiler Ritterschlag. Er ist zudem der offizielle Taktgeber, wenn die Motoren unter den Hauben ihren eigenen Takt zu einem voluminösen Rhythmus anheben. Ein ganz eigenes Thema: der Sound. Was gegenwärtig wie Nähmaschinen surrt oder elektrisch lautlos fimmert, klang früher wie ein herannahender Orkan. „Heute kriegst Du böse Blicke hinterher geworfen“, meinte einer der Teilnehmer, nachdem er das Gaspedal im Leerlauf ein zwei Mal durchgedrückt hat. Ein wenig Koketterie schwingt in seiner Stimme mit.

Für den Concours d’Élégance während der Retro Classics meets Barock werden ausschließlich Fahrzeuge zugelassen, die zwischen 1886 und 1968 gebaut worden sind. Ähnlich wie bei der im Vergleich erwähnten Modenschau, kommen verschiedene Kriterien mit Wettbewerbscharakter zum Tragen. Das wichtigste: Die Fahrzeuge müssen fahrbereit sein. Wie viele Teilnehmer übereinstimmend versichern, manchmal eine echte Herausforderung. In ihren Blicken liegen Liebe und Verzweiflung nahe beieinander. Zudem stehen Dinge wie Authentizität, technische Aspekte sowie das Design zum Abarbeiten und Beurteilen im Pflichtenheft der Juroren.

Wenn sich in einem Oldtimer ein Oldtimer spiegelt

Retro Classics meets Barock - Oldtimer speigelt sich im Oldtimer

Retro Classics meets Barock – Oldtimer speigelt sich im Oldtimer

Wenn sich Bilder wie dieses vor die Linse deiner Kamera werfen, weißt du, du bist auf der Retro Classics meets Barock in Ludwigsburg. Es macht Spaß, durch die Reihen der Fahrzeuge zu laufen, sich auf den Boden zu werfen um die Perspektive zu ändern und den Zoom bis zum Anschlag auszufahren, wenn es sein muss. Umgekehrt wird die Blende zum Spielzeug für die Tiefenschärfe: und irgendwie wirkt ein Armaturenbrett plötzlich wieder wie ein Armaturenbrett. In den heutigen Zeiten haben sie eher den Charakter einer digitalen Infotafel oder scheinen aus einem Flugzeug-Cockpit herausgeschnitten zu sein. Jedenfalls hüpfen keine Nadeln mehr auf und ab. Eine Prise Nostalgie darf bei einer Veranstaltung wie dieser durchaus mit ins Spiel kommen. Die Liebe zum Detail zeigt sich bei den Oldtimern gerne von ihrer schönsten Seite.

Retro Classics meets Barock - Ludwigsburg - Oldtimer Amaturen (1 von 1)

Wie vom Erdboden verschluckt...

Auf der Retro Classics meets Barock gibt es spannende Histörchen der anderen Art zu bestaunen. Die Geschichte des Jean Bugatti Roadster T 57 S gehört dazu. Erstmals wurde das Fahrzeug auf dem 30. Pariser Automobilsalon 1936 einem staunenden Publikum präsentiert. Kaum weniger überrascht zeigte sich die damalige Fachpresse. Ein Marketingcoup des Gründersohnes Jean Bugatti. Ihm wurde früh bewusst, dass futuristisch anmutende Fahrzeuge ein besonderes Interesse wecken. Nachfolgend ist eine sogenannte Recreation zu sehen, die sich im Detail so nahe wie möglich am Vorbild orientiert. Falls es Euch interessiert: der Unterschied zwischen Replicas, Recreations und Modernisierungen wird bei zwischengas.com recht anschaulich erklärt.

Retro Classics meets Barock in Ludwigsburg- der Jean Bugatti T 57 S (1 von 1)

Weiter geht es mit dem Bugatti-Histörchen, das 1956 in einem dramatischen Finale endet – wiederum in Paris, wo alles begann. Dazu gleich mehr. Die Recreation wurde unter der Federführung des Museumsleiters Horst Schultz (Museum Autovision in Althussheim) erbaut. Selbst die innovative, bis dato nie dagewesene Lackierung mit Metallic-Effekt wurde detailgetreu zusammengemischt.

Technisch war das Fahrzeug unausgereift. Es geriet mit seiner ungefederten Masse zu schwer, zudem konnten die Bremsen nicht entwärmt werden. In modifizierter Form wurde es 1 Jahr später auf dem Genfer Autosalon präsentiert – und fand einen Käufer. Fast 20 Jahre später, 1954, entschloss sich der Eigentümer, den T 57 S mit einer seinerzeit modernen Barchetta-Karosserie zu versehen. Wie bereits erwähnt, kam es 1956 zum Showdown in Paris: das Fahrzeug wurde gestohlen und ist bis heute wie vom Erdboden verschluckt. Vielleicht befindet es sich im Privatmuseum eines betuchten Sammlers und wird irgendwann wie eine Flaschenpost an das Ufer der Öffentlichkeit gespült. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

And the winner 2016 is....

Retro Classics meets barock -Röhr 8 Limo als Sieger 2016

Retro Classics meets barock -Röhr 8 Limo als Sieger 2016

Der Concours d’Élégance gehört zur Retro Classics meets Barock Veranstaltung wie blank polierter Lack und Chrom zu den schicken Oldtimern. Die edle Trophäe ist begehrt. 2016 ging sie an den Besitzer einer legendären Röhr 8 Limo aus dem Jahr 1932. Automobile Historie erwacht zu neuem Leben. Gegründet wurde die Röhr Auto AG 1926 von Hans Gustav Röhr in Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Zu den erfolgreichen Klassikern des Unternehmens zählte der Röhr 8 Typ R mit über 2.000 verkauften Fahrzeugen. Was folgte, war die Weltwirtschaftskrise und der unvermeidbare Konkurs. Dank einem Investor aus der Schweiz, konnte die Produktion 1931 wieder aufgenommen werden. Das endgültige Aus wurde im Jahr 1934 mit der 2. Konkursanmeldung eingeleitet. Geschuldet war dieser Umstand vor allem den Repressalien des Nazi-Regimes. Das Hans Gustav Röhr gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Joseph Dauben nachweislich zu den besten Konstrukteuren seiner Zeit zählte, bewies er Jahre zuvor im Flugzeugbau. Zudem war er maßgeblich am Erfolg des Bestsellers Adler Trumpf beteiligt. Darüber hinaus ist ihm die frühe Einführung der Schwingachse in den Automobilbau zu verdanken, ebenso konstruierte er erstmals einen Viertürer, bei der auf einem Plattform-Kastenrahmen sitzende Aufbau ohne tragende Pfosten auskam. Die Retro Classics meets Barock trägt auf ihre Art mit bei, sich an diesen Konstrukteur zu erinnern. Wenn Ihr Lust und Zeit habt, fuchst Euch in seine Biografie rein, sie bringt weitere erstaunliche Infos zu Tage.

Zu guter Letzt eine kleine Ahnengalerie zur Retro Classics meets Barock

Bildnachweis: © Andreas Schneider
Wenn Ihr Bilder auf Euren Seiten verwenden möchtet: gerne kostenfrei entsprechend den creativ commons Richtlinien. Ein Verweis auf www.localplayers.de würde mich natürlich freuen.

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Mitbegründer der Local Players. Er betrachtet das Portal als Medizin gegen das stets präsente Reisefieber. Seit mehr als 30 Jahren schreibt und werbetextet er für namhafte Unternehmen, kleine Einzelhändler und Startups. Bei Bedarf gerne auch für Sie. Mehr Infos gibt es auf seiner Homepage screentext.de
1 Comment
  1. […] alljährlich im Residenzschloss in Ludwigsburg stattfindende Retro Classic meets Barock eignet sich ganz gut als Beispiel. Als ich vor vielleicht 30 Jahren erstmals dort war, schoss mir […]

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