Der Entschluss, der Margarethenschlucht bei Neckargerach im Odenwald-Kreis einen Besuch abzustatten, fällt spontan. Liegt vor allem daran, dass sich an diesem Sonntagmorgen früh zeigt, dass das Wetter mitspielen wird. Ich mache mir einen Milchkaffee und dann geht es direkt los. Die Strecke führt über Heilbronn Richtung Mosbach. Ich kenne sie gut, weil es dort einige Sehenswürdigkeiten gibt, die ich dir nicht vorenthalten werde.
Die Margarethenschlucht Neckargerach im Odenwald-Kreis: eine wilde Schönheit
Die A81 ist auf der Hinfahrt wie leegefegt. Lediglich im Bereich einer mehrere Kilometer langen Baustelle sammeln sich ein paar Fahrzeuge traubenförmig an. In Neckargerach angelangt, kommen Zweifel in Sachen Parkplatz auf. Dazu erfährst du am Ende mehr- letztlich hat er sich als richtig erwiesen – der perfekte Start- und Zielpunkt für eine Wanderung, die zur Schlucht führt. Übrigens wird das H gerne unterschlagen, sodass öfters auch die Rede von der Margaretenschlucht ist, was dem Ausflugsziel jedoch keinen Abbruch tut.
Zunächst geht es über die Reicheburgerstraße rüber zum S-Bahnhof in Neckargerach, den du super für deine Anfahrt nutzen kannst – von Heidelberg aus ebenso wie aus der anderen Richtung. Nimm die S1, S2 oder S4. Kleine Holztafeln weisen den Weg zur Margarethenschlucht im Odenwald-Kreis. Er führt am Ortrand entlang, bis die letzten Häuser hinter mir liegen. Weiter unten fließt der Neckar still vor sich hin.
Von der normalerweise reichlich frequentierten B37 ist praktisch nichts zu hören. Auf der gegenüberliegenden Seite schälen sich die Konturen der Minneburg aus einem bewaldeten Hügel hervor. Ich werde ihr an diesem Tag auch noch einen Besuch abstatten. Eine in die Jahre gekommene Steinmauer sorgt für das besonderes Flair.
Margarethenschlucht Neckargerach Odenwald – der Weg ist mehr als nur das Ziel
Steinmauer auf dem Hinweg mit besonderem Charme
Die Minneburg im Blick
Nach ca. 20 bis 25 Minuten – inklusive einiger Stopps zum Fotografieren – erreiche ich den Zugang zur Margarethenschlucht. Er ist gut erkennbar an dem überdachten Grill- und Rastplatz. Ein Pärchen überholt mich freundlich grüßend. Kein Wunder, das Ausflugsziel ist alles andere als ein Geheimtipp.
Wenn du nur am Wochenende Zeit hast, fahr früh genug los. Vor 9 Uhr sind noch relativ wenig Spaziergänger und Wanderer unterwegs, danach hast du auf dem schmalen Pfad durch die Schlucht reichlich Gegenverkehr.
Der Blick fällt sofort auf die sich kaskadenartig auftürmende Margaretenschlucht und bleibt dort für einige Momente kleben – der Beginn einer neuen Leidenschaft. Sie ist mir von zahlreichen Bildern her bekannt, leider tröpfelt es derzeit nur spärlich am zugehörigen Wasserfall. Kleine Rinnsale stürzen sich die Kaskaden runter.
Ein Fotografenkollege in Shorts bedauert den Umstand ähnlich wie ich. Wenn es überhaupt etwas zu bedauern gibt in dieser wilden Waldlandschaft. Einen Eindruck über die winterliche Schönheit und wenn mehr Wasser fließt, holst du dir in dieser Bildergalerie der Stadt Neckargerach ab.
Der Klettersteig durch die Margarethenschlucht ist nahezu komplett mit Seilen abgesichert. Manchmal werde ich mich unterwegs bücken müssen, um mir nicht den Kopf an einem Felsvorhang anzuschlagen.
Margarethenschlucht Neckargerach im Odenwald – leider zu wenig Wasser an dem Tag
Das Gelände verlangt dir etwas ab
Gleich zu Beginn packe ich das Stativ aus, montiere meine Lumix und richte sie auf verschiedene Motive aus. Ginge auch aus der Hand, aber der ISO-Wert soll zwecks Bildrauschen möglichst gering bleiben. Es ist um die Tageszeit noch ein wenig schattig und das Sonnenlicht wird durch die Blätter abgefangen. Es ist so gegen 10 Uhr und mittlerweile sind hier einige Menschen unterwegs. Und Hunde, für die es wie für mich eher ungewohntes Terrain ist. So what, der Ausflug lohnt sich. Es würde mich interessieren, welchen Geruchsexplosionen die Vierbeiner ausgesetzt sind, wenn mir schon der frische und leicht feuchte Waldduft in die Nase steigt.
Langzeitbelichtung mit ND-Filtern
Das schöne an meiner Lumix FZ 2000 (unbezahlte Werbung) ist der eingebaute ND-Filter, den ich per Regler mehrstufig anwählen kann. Perfekt, um die Belichtungszeit künstlich zu verlängern. Auf der nächsten Kaskadenstufe werde ich mit dem passenden Motiv fündig, bei dem etwas mehr Wasser im Hintergrund fließt. Bei den verschiedenen Aufnahmen wird noch ein wenig mit der Schärfe zwischen Vordergrund und Hintergrund gespielt.
Spiel mit dem Wasser Teil 2
Spiel mit dem Wasser (Teil 1)
Wandern durch und rund um die Margarethenschlucht
Nachfolgend werde ich dir eine Wanderung vorschlagen, bei der du neben der Schlucht auch die grandiose Aussicht von der Minneburg aus über Neckargerach hinweg genießt. Vor allem wirst du einen Blick auf genau den Weg, den du zuvor gegangen bist. Das gute dabei ist: dir steht sehr zentral der Parkplatz am Bahnhof von Neckargerach zur Verfügung, oder du reist gleich mit der S-Bahn an. Auf der nachfolgenden Karte ist die Route komplett eingezeichnet:
Prima ist, dass die Strecke viel Abwechslung bietet. Die Margarethenschlucht begeistert mit ihrem ausdrucksstarken Charakter, der einen sofort in den Bann zieht. Oben angekommen, breitet sich eine Mischung aus landwirtschaftlichen Flächen und Obstwiesen vor dir aus. Die Reichenbucherstraße bereits im Blick, biegst du links ab, gönnst dir eine Pause am Grillplatz und genießt diese Augenblicke. Und ja, ich habe mir irgendwann einen Mini-Gaskocher gegönnt und mache mir einen Espresso. Ich unterhalte mich kurz mit einer Frau, die ich kurz zuvor mit ihrem Sohn in der Schlucht fotografiert habe. Die beiden Touren gerade mit ihrem Wohnmobil durch das Ländle. Beneidenswert.
Wenn sich die Schlucht wieder öffnet
Rückweg abseits der Schlucht
Der Rückweg führt durch ein Waldstück seitlich der Straße an einem Gehege vorbei, in dem ein paar Ziegen mehr oder weniger herumlümmeln. Eine hat es sich nah an dem Drahtzaun gemütlich gemacht und schaut mir nach. Der imposante Ziegenbart erinnert mich an einen guten Freund. Meine Achtsamkeit gilt insgesamt aber eher dem Wurzelwerk am Boden, das dich schnell ins Straucheln bringen kann. Den Rest der Strecke kenne ich bereits vom Hinweg.
An einem Gebäude steht der Hinweis auf ein Bienenvolk, für das im Garten ein Bienenstock aufgebaut worden ist. Eine lobenswerte Art, etwas für die Natur zu tun. Bei meinem Tivoli angelangt, mache ich noch eine kurze Pause und lasse den Ausflug zur Margarethenschlucht bei Neckargerach Revue passieren mit dem eindeutigen Fazit, dass sich die Anfahrt in den Odenwald-Kreis gelohnt hat. Hinzu kommt, dass die Minneburg gleich als nächstes Highlight auf mich wartet.
Parken am Ausflugsziel oder doch lieber mit der S-Bahn?
Die Schlucht mitsamt der Umgebung ist alles andere als ein Geheimtipp, und das Parkplatz-Angebot ist relativ rar. Ein paar Park-and-Ride-Plätze stehen dir im unteren Gertberg sowie in ebenso geringer Zahl am Bahnhof zur Verfügung. Schau alternativ nach, ob die S-Bahn nicht die besser Wahl für die Anfahrt ist – entweder bei der Deutschen Bahn oder beim HNV. Und bevor ich es vergesse: ich freue mich selbstverständlich über Kommentare zur Margarethenschlucht eurerseits.